SAFARI - 40 JAHRE   Das deutschlandweit einzige Erotic-Cabaret auf St. Pauli

"Das Safari könnte tatsächlich zur bundesdeutschen Kult-Adresse avancieren, denn was früher Oberamtsmännern als Pornographie hinter der Tarnkulisse erschien, ist spätestens im Internet-Zeitalter mit seinem allgegenwärtigen Totalsex und cleanen Table-Dancern wirkliches Erotik-Theater geworden."
Hamburger Abdendblatt, 9. Feb 2000

Am 1. April 1964 wurde von Hans-Henning Schneidereit (Jahrgang 1929) das Safari übernommen. Eine Zeit des Aufbruchs und des Wandels. 1964 ging Sepp Herberger in den Ruhestand und Helmut Schön kam als Bundestrainer. Wir hatten soeben "Das Wunder von Bern" erlebt, wir waren wieder wer, doch eine junge Generation zweifelte an allem, alles sollte anders werden. Aus dem Rock'n'Roll wurde der Beat, insbesondere die Große Freiheit mit dem Star Club schrieb plötzlich Kulturgeschichte. Die Beatles liessen sich die Haare wachsen, fühlten sich im wilden Rotlichtviertel St. Pauli wohl - der wilde, freie Westen stand Kopf. Diese Generation stand für eine neue Freizügigkeit, die jenseits des Eisernen Vorhangs nun zunehmend gewollt und nicht mehr aufzuhalten war.

Schneidereit war nie ein Mann der kleinen Worte, was er wollte, das erreichte er auch. Mit dem "Erotik-Cabaret" Safari sollte Konkurrenz für Paris entstehen, geworben wurde mit dem Hinweis, dass man sich eine Reise an die Seine und zu den dortigen erotischen Shows und Revuen doch "sparen könne".

St. Pauli war ihm Heimat und Vision, der Kiez brach auf zu neuen Ufern: "St. Pauli ist eine Marke, die weltweit bekannt ist wie Coca Cola, leider haben das unsere offenbar verklemmten Provinzpolitiker im Senat über Jahrzehnte nicht kapiert. Solch eine Marke läßt man nicht verkommen, das Safari hält in diesem Sinne seit seiner Gründung die Flagge hoch!".

Den Laden übernommen hatte Schneidereit mit vielfach zitierter Begründung: "Dort hatte ich als junger Mann schließlich meine Heuer gelassen." Der neue Inhaber steuerte das "plüschige Freudenhaus für Seh-Leute" (Hamburger Abendblatt) mit hartem Kurs durch die Zeiten des Wirtschaftswunders und der schrittweisen Liberalisierung. Eine Textilie nach der anderen fiel, jeweils auf Augenhöhe mit dem aktuellen Moralstandard der behördlichen Sitttenwächter. Anfangs mussten noch die Brustwarzen überklebt werden, waren Schamhaare verpönt (und wurden deshalb kurioserweise von den Tänzerinnen abrasiert!) und ein männliches Glied durfte sich nicht erheben. Doch das Publikum wollte immer mehr, das Safari war mit seinem Personal bereit immer mehr zu zeigen.

Niveau und Klasse waren dabei stets Grundwerte, choreographiert wurde seit Beginn vom Franzosen Jeff Pierron (Jahrgang 1951), der sein Handwerk immerhin an der altehrwürdigen Pariser Staatsoper gelernt hatte. Sein Credo lautete: "Die meisten Sexshows auf dem Kiez waren schlicht, primitiv, viele Lokale schmutzig und schlecht geführt. Hier erkannte ich, dass es etwas für mich zu tun gab." Pierron ist inzwischen Mitinhaber und kümmert sich weiterhin um ein ständig erneuertes Programm mit vielen Überraschungen.

Das Safari begann bereits in den Gründerjahren zu blühen und zur guten Adresse zu werden. Alle kamen sie nun in den Folgejahren, Stars und Prominente, später sogar - ganz offiziell - Abordnungen von Politikern, das Fernsehen kam sowieso; Lilo Wanders "Wa(h)re Liebe" wurde live von hier übertragen, Magazine wie der Playboy und Buchautoren gaben sich die Klinke in die Hand, junge Künstler buchten die einmalige Atmosphäre für ihre Videoclips, Udo Lindenberg, James Last und Curd Jürgens verbrachten hier lange Nächte, das Safari läuft und läuft.

An den vier Millionen Besucher haben hier hochwertige Shows gesehen, ergänzt von allen Varianten aus Striptease, Akrobatik und Tanz. Und auch weiterhin will das Safari sein Publikum ansprechen. Schneidereit: "Das Publikum ist inzwischen deutlich jünger geworden, was uns sehr freut und unsere zeitlose Relevanz unterstreicht. Aber die Zeiten sind nun ganz andere, es kommen nicht mehr nur Männer allein, heute gehen Pärchen gemeinsam in solche Shows und schauen sich das Programm an".